Login



Judenstein

Foto: Monika Gschwandner-Elkins 2012

Judenstein 1

Judenstein - Bild 1

Foto: Monika Gschwandner-Elkins 2012

Judenstein 2

Judenstein - Bild 2

Foto: Monika Gschwandner-Elkins 2012

Judenstein 3

Judenstein - Bild 3

Foto: Monika Gschwandner-Elkins 2012

Judenstein 4

Judenstein - Bild 4
Thumb 1 Thumb 2 Thumb 3 Thumb 4

Beschreibung

Der Judenstein soll an die blutigen Judenverfolgungen in Wolfsberg in den Jahren 1338 und 1348/49 erinnern. Auslöser der Pogrome und Ursache der Massenhysterie waren Gerüchte über jüdische Hostienschändungen.
Der Judenstein war ursprünglich mitten in der Lavant bei der Schwemmtratten auf einem Felsen aufgestellt. Heute befindet sich der Stein in einem Teich neben der umgeleiteten Lavant.

Legende, Geschichte, Sage

Der Judenstein und die Kirche zum heiligen Blut in Wolfsberg:

Im Jahre 1338, da Graf Ulrich von Pfannberg als Vizedom über die bambergischen Herrschaften regierte, zu welcher Zeit mehr als die Hälfte der Stadt Wolfsberg von Juden bewohnt gewesen sein soll, gab sich ein Franziskaner des Minoritenklosters in der Stadt viel Mühe, die Juden zu bekehren und sie von der leibhaftigen Gegenwart Christi im heiligen Altarsakramente zu überzeugen. Aber sie blieben verstockt, selbst als der Mönch einen Esel vorführen ließ, dem er die konsekrierte Hostie vorhielt, welcher das unvernünftige Tier kniend die Anbetung darbrachte. Die verschmitzten Feinde Christi, heißt es, hätten nun das Versprechen gegeben, sich zum Christentume zu bekehren, wenn sie sich von der Gegenwart Gottes in der geweihten Hostie persönlich vollkommen überzeugt haben würden. Der Minoritenpater ließ sich verleiten, den Juden zu diesem Zwecke geweihte Hostien zu verkaufen. Die Juden begannen die Hostien in frevelhafter Absicht zu untersuchen. Sie warfen sie auf einen Tisch und stachen mit Messern und anderen spitzen Instrumenten in dieselben, worauf sogleich Blut aus ihnen floss. Obgleich darüber sehr erstaunt und verwirrt, wollten die Frevler weitere Proben machen. Sie warfen die Hostien in das Feuer eines offenen Herdes, auf welchem sie kochten. Aber siehe da, die heiligen Hostien wurden aus den Flammen unversehrt emporgetragen und flogen im Zimmer umher. Nun wurde den Juden angst und bang wegen ihrer Missetat, und sie beschlossen, die Hostien, welche das Feuer verschont hatte, im Wasser zu vertilgen. Sie warfen sie daher in die Lavant an einer Stelle, die heute noch gezeigt wird, wo sich ehedem am Ufer ein großes Felsstück erhob und daher der Schwall des Wassers größer war. So hofften sie, dass daselbst die Hostien fortgeschwemmt und das Andenken an ihre böse Tat verschwinden würde. Aber es sollte anders kommen. Unmittelbar, nachdem diese böse Tat geschehen war, trieb ein Hirte seine Herde aus der Stadt an jene Stelle am Ufer der Lavant. Da fiel das Vieh brüllend am Strande auf die Erde und verharrte, gegen den Fluß gerichtet, beständig in dieser Stellung. Der erstaunte Hirte trat an das Ufer und bemerkte, wie mitten im strömenden Flusse leicht und ruhig auf dem Wasser Hostien schwammen, und zwar nicht bloß auf dem Wasser, sondern durch einen im Fluss sich erhebenden Stein hindurch. Dieser Stein, durch den die Hostien schwammen, ist noch heute zu sehen und wird als Judenstein bezeichnet. Sofort machte der Hirte dem Stadtpfarrer Anzeige, schnell verbreitete sich auch die Kunde in der Stadt. Die Christen strömten in Scharen hinaus und beteten in Demut das Wunder an. Auch der Pfarrer kam in feierlicher Prozession, um die Hostien aus dem Flusse zu erheben, aber er wurde von Gott dieser Ehre nicht gewürdigt und musste unverrichteter Sache zurückkehren. Nun schickten die Bewohner von Wolfsberg Boten an den frommen, sittenreinen, fast im Geruch der Heiligkeit stehenden Abt Heinrich von St. Paul im nahen Benediktinerkloster mit der Bitte, er möge die heiligen Hostien erheben. Dieser kam nach Wolfsberg und ordnete ein dreitägiges Fasten und Beten an. Danach im frommen Vertrauen zog er mit seinen Konventualen, der Stadtgeistlichkeit und den Bewohnern Wolfsbergs hinaus zum Fluss, hielt die Patene eines geweihten Kelches ins Wasser und flehte inbrünstig zu Gott. Und siehe da, im Angesicht der ganzen Geistlichkeit und Bürgerschaft schwammen sofort zwei Hostien herzu und ließen sich mit der Patene erheben. Die dritte aber erhob sich und flog in den Himmel. In der ganzen Stadt aber herrschte große Freude und jeder Gläubige pries den Herrn. Dies geschah am 19. August des Jahres 1338. Die erhobenen zwei Hostien wurden in einer besonderen Monstranz zur Anbetung aufbewahrt. Den Juden aber machte man den Prozeß, der damit schloss, dass siebzig hingerichtet und die anderen alle aus Wolfsberg vertrieben wurden. Zugleich wurde auch das Minoritenkloster aufgehoben, da ja ein Pater desselben die Hostien den Juden verkauft hatte, und erst später wieder, nachdem es abgebrannt war, von einem bambergischen Vizedom aufgebaut und von neuem den Minoriten übergeben. Das Gebäude aber, wo die Juden die Hostien mißhandelt hatten, wurde in eine Kirche "Zum heiligen Blute" verwandelt. Diese bestand bis in die jüngste Zeit, in welcher sie dem Bau des neuen Rathauses zum Opfer fallen musste. Ihre denkwürdigen Bilder blieben aber erhalten und wurden teilweise im Rathaussaal, teilweise in der heiligen Dreifaltigkeitskirche untergebracht, wo sie zu sehen sind.

Quelle: Georg Graber, Sagen aus Kärnten, Graz 1941.

Gemeinde

Wolfsberg

Denkmalschutznummer

78154

Standort

Der Stein befindet sich in einem kleinen Teich an der Schwemmtrattenstraße.
Schwemmtrattenstraße
9400 Wolfsberg

Eigentümer / Betreuer

Stadtgemeinde Wolfsberg