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KULTURDENKMÄLER in KÄRNTEN und SLOWENIEN

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Trojstöckl

Legende, Sage, Geschichte

Die kleine barocke Wegkapelle liegt an der Gailtalstraße (B111) zwischen Reisach und Gundersheim. Mit „Troi“ wird die Gegend am südlichen Fuß des Reißkofels bezeichnet, die Kapelle dürfte ursprünglich als Gedenkkapelle für die Opfer eines Bergsturzes im 13. Jahrhundert errichtet worden sein. Am Wallfahrtsweg nach Maria Luggau gelegen, diente die Kapelle als Station für die Pilger. Noch bis in das 20. Jahrhundert fand jedes Jahr am 13. Juni, dem Feiertag des hl. Antonius von Padua, eine Prozession von der Pfarrkirche in Reisach zu der Wegkapelle statt, um dort für gutes Wetter und reiche Ernte zu beten. Die in der Monstranz aufbewahrte Kreuzreliquie findet sich oft in Kapellen, die wie das „Troistöckl“ Ziel von Bittprozessionen waren.

Das so genannte „Troistöckl“ in Reisach ist ein qualitätsvolles Beispiel der zahlreichen Kleinstkapellen, die als christliche Zeichen in der Natur die Kulturlandschaft des Gailtales prägen. Mit einem Altar aus dem 17. Jahrhundert einen hohen Stimmungswert aufweisend kommt der barocken Wegkapelle als Dokument der in der Gegenreformation von der Kirche sehr geförderten Volksfrömmigkeit und Heiligenverehrung, als Zeugnis gelebten religiösen Brauchtums, lokalhistorische, künstlerische und kulturelle Bedeutung zu.

Seit der Revitalisierung wird in der kleinen, dem hl. Antonius von Padua am 13. Juni 1886 geweihten Kirche von Mai bis Oktober jeden 1. Sonntag im Monat um 18:30 der Rosenkranz gebetet.
Ebenso findet jedes Jahr am 13. Juni, dem Festtag des hl. Antonius, die Bittprozession von der Pfarrkirche Reisach zum Troistöckl, welche 2009 feierlich wieder aufgenommen wurde, statt.

Text: Mag. Karin Kargl / Landeskonservatorat für Kärnten / 2009

Beschreibung

Die Kapelle ist ein kleiner einfacher Barockbau über annähernd quadratischem Grundriss. Das Walmdach ist mit Schindeln gedeckt. Die rechteckige, nach Süden gerichtete, von einer weißen Putzfasche betonte Türöffnung mit einer aufgedoppelten Bohlentür wird von zwei kleinen quadratischen Fensteröffnungen mit barocken Rautengittern gerahmt. Zwei Rundbogenfenster an der West- und Ostfassade belichten den Innenraum.

Das Innere schmückt ein kleiner Ädikulaaltar mit seitlichen „Ohren“ aus Blattwerk im Knorpelstil des 17. Jahrhunderts. Über einem niedrigen Sockel rahmen Schuppenpilaster auf hohen Podesten mit Beschlagwerk das Altarbild, welches eine Szene aus dem Leben des hl. Antonius von Padua, das so genannte „Eselwunder“, zum Inhalt hat. Der bereits drei Tage hungernde Esel eines Ketzers verschmäht das Futter und kniet nieder vor der Monstranz mit der Hostie, welche der als jugendlicher Franziskaner dargestellte Antonius hält. Ein geschwungener Aufsatz vervollständigt das Rahmenwerk des Altars. Der zweifärbige Boden aus gefärbten Betonplatten wurde ergänzt und neu verlegt. Volkstümliche Heiligenbilder vervollständigen die Ausstattung.

Im Jahr 2008 fand eine Gesamtrestaurierung der zuletzt vor 30 Jahren renovierten Kapelle durch Josef Huber statt, großenteils in Eigenregie und auf eigene Kosten. Seitdem dient sie wieder als Andachtsstätte.

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