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Felsenbildstöcke Saager

Foto: Monika Gschwandner-Elkins 2018

Felsenbildstock 1

Felsenbildstöcke Saager - Bild 1

Foto: Monika Gschwandner-Elkins 2018

Felsenbildstock 1/2

Felsenbildstöcke Saager - Bild 2

Foto: Monika Gschwandner-Elkins 2018

Felsenbildstock 1/3, hl. Leonhard

Felsenbildstöcke Saager - Bild 3

Foto: Monika Gschwandner-Elkins 2018

Felsenbildstock 1/4

Felsenbildstöcke Saager - Bild 4

Foto: Monika Gschwandner-Elkins 2018

Felsenbildstock 1/5

Felsenbildstöcke Saager - Bild 5

Foto: Monika Gschwandner-Elkins 2018

Felsenbildstock 2

Felsenbildstöcke Saager - Bild 6

Foto: Monika Gschwandner-Elkins 2018

Felsenbildstock 3

Felsenbildstöcke Saager - Bild 7
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Beschreibung

Den alten Verbindungsweg am Fuße des Skarbins von Gumisch zur Filialkirche hl. Anna in Saager sowie zum Schloss Saager säumen im oberen Bereich Felsenbildstöcke, die es in dieser Form in Kärnten nur hier zu entdecken gibt. Bei dem Weg dürfte es sich um den Abschnitt einer viel älteren Verbindung vom Gurk- ins Rosental handeln, die früher den Reisenden ein hoch über dem sumpfigen Drauauen gesichertes Fortkommen ermöglichte. Dieser in der Bevölkerung auch "Römerweg" genannte einstige Karrenweg ist heute als Straße bis zum Hof vulgo Rauniak befahrbar und geht dann südlich des Bauernhofes in einen Schotterweg über. Wer die 30 Minuten vom Hof vulgo Rauniak zu Fuß durch den Wald zur Kirche hinaufwandert, wird heute allerdings von den überlieferten kreuzwegartig angelegten 5 nur mehr 3 Felsenbildstöcke und kurz vor der Kirche einen weiteren gemauerten barocken Giebelbildstock antreffen. Bei den Felsenbildstöcken handelt es sich um Gesteinsbrocken aus Konglomerat mit ausgemeißelten Nischen, die einst mit bäuerlichen Malereien ausgestattet waren. Bedingt durch die fortschreitende Verwitterung der Felsen ist nur mehr die Malerei des ersten Bildstockes mit zwei sich überschneidenden Herzen aus welchen Lilien emporwachsen und einer Darstellung des hl. Leonhard mit Abtstab und Kette an der linken Nischenseite erhalten. Das linke der beiden Herzen zeigt eine Darstellung der Geburt Christi mit der Anbetung der Heiligen Drei Könige und darüber den Stern von Bethlehem, der durch das Gebälk des Stalles scheint. Im rechten Herzen erkennt man oben rechts eine Darstellung von Bethlehem mit Kuppeln und Zinnen und darunter Maria und Josef auf Wanderschaft bzw. Herbergsuche. Am unteren Rand außerhalb des Doppelherzens ist links der legendäre Sturz der Heiligen Hildegard von Stein aus der Burg Prosenitza durch ihren Gatten Graf Albuin, der sie der Untreue bezichtigte, dargestellt, wobei die Burg noch gut zu erkennen, der Rest des Bildes aber schon stark verwittert ist. Die rechte untere Ecke zeigt schließlich Hildegards Errettung durch Engelshand.
Die aus dem Herzen wachsenden Lilien symbolisieren die Reinheit und Unschuld Hildegards. Das Doppelherz am Felsenbildstock wird in das frühe 16. Jh. datiert, die Darstellung des hl. Leonhard dürfte erst wesentlich später dazugekommen sein.
Dieser erste Felsenbildstock steht der Legende zufolge genau an jener Stelle, wo Hildegard und ihre Zofe Dorothea, welche Albuin ebenfalls aus dem Fenster warf, durch wundersame Hilfe gerettet wurden.
Die erwähnten Felsenbildstöcke befinden sich jeweils im Abstand von rund 300 m an der linken Seite des Weges. Die Entfernung vom ersten Bildstock bis zur Kirche beträgt rund 1,5 km was einer römischen Meile entspricht. Ob Zufall oder bewusst geplant, ist nicht bekannt.
Vom zweiten Bildstock sind nur mehr Gesteinsreste erhalten, beim dritten Bildstock kann man immerhin noch sehr genau die Bildstocknische erkennen.

Margarete Gutterer beschreibt in ihrem 1991 erschienen Buch "Flurdenkmäler in Kärnten" noch 5 Felsenbildstöcke unter dem Skarbin. Steht der erste Bildstock bergwärts gehend linker Hand des Weges, so findet man bald danach auf der rechten Seite noch die Reste eines zweiten Bildstockes. Der dritte steht wiederum links vom Weg ebenso der vierte und der fünfte und letzte Bildstock steht wiederum rechter Hand hangwärts, entnimmt man ihrer Beschreibung.

Eduard Skudnigg berichtet in seinem Buch "Bildstöcke in Kärnten" (1977) von vier Felsenbildstöcken, schließt aber nicht aus, dass ein fünfter Bildstein in der Zwischenzeit abgekommen sein könnte. Weiters verweist er darauf, dass es sich beim ersten und bis heute am besten erhaltenen Felsenbildstock um einen Grenzstein des Burgfrieds Grafenstein handelt, der bereits 1570 Erwähnung findet: "...wo ain großer stain mit ainem loch ist und sich der Saigerisch purkhfrid anfecht..." Der Saager Burgfried ging dann von diesem Stein aus "....bis auf die höch des felsens", auf dem der Sage nach Hildegards Schloss Prosenitza gestanden haben soll. Die Nische des Bildstockes ist nach Westen ausgerichtet und verweist somit in die Richtung des weiteren Verlaufs der Burgfriedgrenze.
Georg Graber, auf welchen sich Eduard Skudnigg in seinem ober erwähnten Buch bezieht, hat in den 1930-er Jahren an einigen Felsenbildstöcken noch Freskenreste vorgefunden. Am zweiten Stein waren demnach damals Reste einer Kreuzigungsgruppe vorhanden und am letzten Stein ein Stück eines gestreiften Beinkleides, eines Dolches und eines Turbans zu sehen.

Legende, Geschichte, Sage

Der Brauch der Bittgänge in der katholischen Kirche ist im ländlichen Raum bis heute erhalten geblieben. Die Bitttage finden jedes Jahr zur gleichen Zeit statt: Montag, Dienstag und Mittwoch vor Christi Himmelfahrt. In der Pfarre Grafenstein führt die Bittprozession am ersten Tag von Grafenstein nach St. Peter und am zweiten Tag von Gumisch über den alten Römer- bzw. Kirchweg durch den Wald vorbei an den Felsenbildstöcken zur Filialkirche hl. Anna in Saager. Am Bittmittwoch gibt es keine Prozession.

Hildegard von Stein:
Der deutsche Kaiser schenkte das südliche Jauntal um die Mitte des 10. Jhs. dem bairischen Adeligen Albuin und dessen Gattin Hildegard. Die beiden Adelsleute erbauten in Unterkärnten zwei Burgen. Die eine erhob sich der Sage zufolge gegenüber von Möchling am steilen Abfall des Skarbinfelsens, wo der Sattnitzzug bei der Annabrücke plötzlich zur Drau abbricht. Von jener Burg Prosnitza selbst findet man heute keine Spur mehr, doch auf einem Deckengemälde im Schloss Möchling ist sie abgebildet. Die zweite Burg stand auf einem Vorsprung des Steiner Berges, der sich am anderen Drauufer erhebt. Von der Burg Stein sind noch Ruinenreste erkennbar.
Albuin und Hildegard verbrachten ihre ersten Ehejahre in ungetrübtem Glück auf der Burg Prosnitza. Einmal mußte aber der Graf seine Feste am Skarbin für längere Zeit verlassen, weil ihn ein Krieg in die Fremde rief. Deshalb übertrug er die Verwaltung seiner Güter seinem jüngeren Bruder Uduin. Er bestellte ihn auch zum Ehrenhüter der Frau Gräfin. Uduin aber war ein böswilliger Mann. Weil er von der Schönheit seiner Schwägerin geblendet war, versuchte er, ihr nachzustellen und sie für sich zu gewinnen. Hildegard aber blieb gegen diese sündhaften Anträge standhaft. Diese Abweisung traf Uduin in seinem Innersten, und er sann einen teuflischen Racheplan aus. Dafür gewann er auch Lupa, eine Magd auf der Burg Stein.
Als Graf Albuin wieder zurückkehrte, eilte ihm sein Bruder schon mit der Botschaft entgegen, Frau Hildegard wäre dem Gatten während seiner Abwesenheit untreu geworden. Dies könne auch Lupa, die Kuhmagd, bezeugen. Der Graf begann tatsächlich an der Treue seiner Gemahlin zu zweifeln und ritt zornentbrannt zur Burg hinauf. Vor dem Haupttor traf er Lupa, die gerade eine Kuh molk. Als er sie nach der Untreue seiner Gemahlin fragte, erklärte Lupa: "Ja, das stimmt. Ich habe sie mit eigenen Augen bei anderen Männern gesehen. Und wenn das nicht wahr ist, so soll ich samt der Kuh zu Stein werden!"
Diese Rede war für Albuin genug. Er rannte zu Hildegards Kemenate hinauf. Ohne ein Wort zu sprechen, packte er seine Gemahlin an den Haaren und Kleidern und stürzte sie in sinnloser Wut aus dem Fenster, hinunter gegen den Draustrom. Als Dorothea, die Zofe Hildegards, die Unschuld der Gräfin beteuerte, warf er auch die Zofe zum Fenster hinaus. Nach der Untat vernahm der Graf vor dem Fenster süße Musik. Als er in die Tiefe blickte, sah er die Gräfin und ihre Zofe, umgeben von einem himmlischen Schein, auf einem Felsen ober der Drau sitzen, wo sie Gott lobten. Dieses Wunder brachte den Grafen zur Besinnung. Er wollte sich nun an der Magd rächen, die offensichtlich einen Meineid geschworen hatte. Er fand zwar Lupa noch an der früheren Stelle, doch sie war samt Kuh, Melkkübel und Schemel zu Stein geworden.
Albuin stürzte in die Burg zurück, um seine Gemahlin mit Seilen aus der Tiefe heraufzuholen. Als er aber wieder in den grausamen Abgrund blickte, sah er, wie Engel die beiden Frauen singend und musizierend über die Drau auf die Burg Stein hinübertrugen. Nur kurze Zeit konnte er diesem Wunder folgen, dann schwand ihm sein Augenlicht.
Nun erst erkannte der Graf seine sinnlose Tat vollends, und er wollte das furchtbare Geschehen wieder gutmachen. Nachdem er seinem Bruder die Lüge verziehen hatte, machte er sich unter dem Namen Paul auf eine weite Pilgerreise. Er suchte das Heilige Grab in Jerusalem auf und kam auch zum Papst nach Rom, der ihn von seinen Sünden lossprach. Nach der Heimkehr eilte er zu seiner Gemahlin auf die Burg Stein und bat sie um Vergebung seiner Freveltat. Hildegard war ihrem Mann nicht mehr böse, und als Sie mit ihren zarten Händen über seine geschlossenen Augenlider strich, wurde er wieder sehend. Aber alle Bitten, die Gattin möge wieder mit ihm auf die Burg Prosnitza ziehen, schlug sie entschieden ab. Beim Abschied sagte Hildegard zu ihrem traurigen Gemahl: "Sehen werden wir uns nicht mehr, doch die Glocken sollen unsere Botinnen sein."
Graf Albuin baute zum Dank, dass er durch Gottesfügung seine Gemahlin noch einmal hatte sehen dürfen, zu Möchling eine Kirche. Täglich hörten nun die getrennten Eheleute die Glocken von Stein und Möchling. Die kleinen Hügel aber, die dazwischen liegen, verhinderten die Sicht vom einen Ort zum anderen. Als Grat Albuin bald darauf starb, wurde er in seiner Kirche zu Möchling beigesetzt.

Nach dem Tod ihres Gemahls errichtete Frau Hildegard von Stein ein Hospiz zur Beherbergung und Pflege der Armen und Kranken. An ihrem Geburtstag, Anfang Februar, ließ sie jedesmal einen Ochsen im Wert von fünf Gulden schlachten und ein reiches Mahl für die Bedürftigen zubereiten. Vor ihrem Tod ordnete die Gräfin noch eine Armenstiftung für ewige Zeiten an: Die Erträgnisse aus dreizehn Bauernhuben müssten dem Pfarrer zu Stein für die Stiftung übergeben werden.
Quelle: Matthias MAIERBRUGGER, Kärntner Sagenbuch, Verlag Johannes Heyn, Klagenfurt 1999

Gemeinde

Grafenstein

Standort

Die Felsenbildstöcke stehen am alten Verbindungsweg von Gumisch nach Saager.
Saager
9131 Grafenstein