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Hundskirche

Foto: Monika Gschwandner-Elkins 2015

Hundskirche 1

Hundskirche - Bild 1

Foto: Monika Gschwandner-Elkins 2015

Hundskirche 2

Hundskirche - Bild 2

Foto: Monika Gschwandner-Elkins 2015

Hundskirche 3

Hundskirche - Bild 3

Foto: Monika Gschwandner-Elkins 2015

Hundskirche 4

Hundskirche - Bild 4

Foto: Monika Gschwandner-Elkins 2015

Hundskirche 5

Hundskirche - Bild 5

Foto: Monika Gschwandner-Elkins 2015

Hundskirche 6

Hundskirche - Bild 6

Foto: Monika Gschwandner-Elkins 2015

Hundskirche 7

Hundskirche - Bild 7
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Beschreibung

Die Hundskirche (im Volksmund auch Altar genannt) ist ein aufrechter dreieckiger Felsen aus Kalkgestein (Dolomit) im Graben zwischen Kreuzen und der Ortschaft Boden und befindet sich ca. 3-4 Meter neben der Fahrbahn. Zwischen ihr und der Straße fließt der Moschbach. An seiner höchsten Stelle erreicht der Hundsfelsen ca. 13 m. Seine volle Breite am Boden umfasst etwa 21 m. Die Rückseite des Felsen ist bemoost und von einigen Bäumen bewachsen. Er ist durch eine Erhebung (Aufschüttung) mit zwei kleineren Felsen verbunden. So ergibt sich hinter dem Felsen eine Art Raum. Dieser ist nicht sehr groß und bietet maximal 15-20 Personen Platz.
An der östlichen und westlichen Seite des Felsens befinden sich Zeichen und Inschriften.

Ostseite:
Hier ist die Figur eines Hundes gut erkennbar. Dieser ist kunstvoll in Relieftechnik gearbeitet. Es handelt sich um ein erhabenes Relief. Der Hund ist im Profil dargestellt, nach links gerichtet. Man erkennt sehr gut seine Pfoten mit jeweils drei Zehen. Er hat das Maul offen, die Zunge hängt heraus. Sein Schweif ist gekrümmt und nach oben gerichtet. Über dem Rücken des Hundes, lassen sich die Umrisse eines Kirchturms erkennen. In seiner unteren Hälfte sind zwei Kreuze eingeritzt, eines davon ist von einem Kreis umgeben. Daneben, auf seiner rechten Seite, befindet sich noch ein weiteres umkreistes Kreuzzeichen. Oberhalb des Kirchturms erkennt man ein Zickzackband. Der Hund misst vom Kopf bis zum Schweif 45 cm und vom Kopf zur Pfote 40 cm. Der Kirchturm ist 10 cm breit und ca. 55 cm hoch. Etwas rechts vom Hund (ca. 1,2 m) ist das Wort CRUES zu lesen. Es befindet sich ca. 3 m über dem Bachbett. Das Wort ist in einer Kapitalis-Quadrata-Schrift des 16. Jhs. in den Fels gemeißelt. Über der Inschrift (8 cm über dem U) sind lateinische Buchstaben zu erkennen, die jedoch schwach eingemeißelt sind und etwas schräg stehen: LIII (8 cm hoch). Die einzelnen Buchstaben von CRUES scheinen nachgezogen worden zu sein. Der Schriftzug ist ca. 69 cm lang und zwischen 15 und 18,5 cm hoch. Die einzelnen Höhen der Buchstaben betragen: C 17,5 cm; R 18,5 cm; U 16 cm; E 15 cm und S 15,5 cm. Links davon, ganz am äußersten Rand, erkennt man einen 2-zeilig eingeritzten Namen: Kapeller Erwin. Dieser Name ist ungenau eingeritzt, keinesfalls gemeißelt und dürfte aus dem 20. Jh. stammen. Darunter eine Ligatur(?) HG. Daneben erkennt man noch einzelne Buchstaben oder Zeichen. Hier haben sich vermutlich Besucher zu schaffen gemacht.

Westseite:
Die westliche Eckseite des Felsens ist ca. 2,5 m breit und 2,6 m hoch. Auf einer Fläche von ca. 1,6 m × 1,6 m befinden sich mehrere Zeichen und Inschriften. Am auffälligsten sind die Tierfiguren mit dem Kirchturm und der 3-zeilige Schriftzug "also gets in der Welt". Schlange, Hund, Schnecke und Kirchturm befinden sich ungefähr in der Mitte. Unter dem Hund und der Schnecke erstreckt sich der Schriftzug. Schlange und Hund sind links ausgerichtet im Profil dargestellt. Beide Darstellungen sind vertiefte Reliefs. Die Schlange hat drei Windungen. Ihr Maul ist geöffnet. Daraus streckt sie ihre Zunge. Auf ihrem Kopf befindet sich eine rechteckige Vertiefung. Darüber befindet sich ein kleineres Rechteck, aus dem drei Strahlen hervorgehen mit kugelförmigen Enden. Es könnte sich dabei um ein Krönlein handeln (ca. 45 cm hoch und 30 cm breit). Der Hund sieht anders aus als jener auf der Ostseite. Er misst ca. 60 cm in der Länge (Kopf bis Schwanz). Die Höhe der Darstellung beträgt ca. 40 cm. Ohren und Pfoten sind nicht mehr so gut zu erkennen, aber eindeutig vorhanden. Der Schwanz ist gekrümmt. Sein Maul ist geöffnet, die Zunge herausgestreckt.
Daneben befindet sich eine Spirale mit drei Windungen. Diese Figur gleicht einem Schneckengehäuse. Sie ist ca. 23 cm breit und 25 cm hoch. Zwischen dem Schwanz des Hundes und der Schnecke befindet sich ein Kirchturm. Dieser ist ca. 9 cm breit und 38 cm hoch. Er ähnelt dem Kirchturm auf der Ostseite. Tür und Dach sind gut erkennbar. O. Moro erkennt hier eine ganze Kirchendarstellung.
Unter Hund, Kirchturm und Schnecke erstreckt sich der dreizeilige Schriftzug ALSO GETS IN DER WELT. Die Buchstaben stehen teilweise verkehrt oder liegen auf dem Rücken. In der ersten Zeile steht ALSO GETS, in der zweiten Zeile IN DER und in der dritten Zeile WELT. Der ganze Schriftzug ist ca. 77 cm lang und 38 cm hoch. Die einzelnen Buchstaben erreichen ungefähr eine Höhe von 8-10 cm. Sie sind tief eingemeißelt und gut erkennbar. Nur das T und das S in der ersten Zeile sind schon leicht verwittert. Die verwendete Schriftart ist unverkennbar eine Kapitalis-Quadrata d.h. dieser Schriftzug stammt sehr wahrscheinlich aus dem 16. Jh.
Rechts von Welt in der dritten Zeile, etwas darunter gelegen, findet sich eine Zahlenmarke. Unter dieser liest man zwei Buchstaben: HR. Diese beiden Buchstaben stehen etwas auseinander und sind dennoch eng miteinander verbunden, da der zweite Balken des Hs gleichzeitig den ersten Balken des Rs bildet. Dies scheint ein Monogramm zu sein. Das HR ist eindeutig in Kapitalis-Quadrata verfasst. Bei der darüber liegenden Zahlenmarke scheint es sich um eine Jahreszahl zu handeln, von der die letzte Ziffer jedoch abgebröckelt ist. Zu erkennen ist 158 und eine halbe Rundung mit einem kleinen Häkchen. Bei der fehlenden Ziffer könnte es sich vermutlich am ehesten um eine 2 handeln.

Schräg über der Schlange erstrecken sich die Buchstaben AAZ. Diese Formation ist ca. 34 cm lang und 10 cm hoch. Die Buchstaben sind gerade und scharf eingemeißelt. Wiederum schräg darüber finden sich die Buchstaben EM. Diese sind jeweils 5 cm breit und ca. 5,5 cm hoch. Sie stehen ebenfalls gerade und aufrecht. Schräg unter der Schlange liest man einen Namen: Köfler. Das E berührt das Ende der Schlange. Der Name ist ca. 37,5 cm lang und erreicht eine Höhe von 7-8 cm. Die Buchstaben sind aufrecht und gerade eingemeißelt worden. EM, AAZ und Köfler sind nicht in Renaissance-Kapitalis verfasst. Ihr Schriftbild weist schmälere Buchstaben auf. Sie wurden eindeutig nach dem 16. Jh. eingehauen. Neben Köfler erkennt man schwach und etwas ungenau ein Zeichen. Es könnte sich um eine Ligatur aus AE handeln oder auch ein eigenes Zeichen sein. Über der Schlange sind mehrere Buchstaben erkennbar. Sie wurden mehrmals nachgeritzt und Teile davon sind nicht mehr ersichtlich (Verwitterung?). Die Buchstaben wirken breit und quadratisch. Sie dürften ursprünglich in Renaissance-Kapitalis angelegt worden sein. Der Schriftzug ist ca. 38 cm lang und 4, 5 cm hoch. Der erste Buchstabe könnte ein P oder F sein. Dann erkennt man ein E, ein R, ein D oder N, ein I, eine Lücke von 4 cm, ein nicht zur Gänze erhaltenes N, ein D und ein E. Die einzelnen Buchstaben sind 3-4 cm breit. Diese Buchstabenformation wird als FERDINANDE gedeutet. Wenn die Überschrift der Schlange tatsächlich FERDINANDE lautet, dann handelt es sich dabei wahrscheinlich um Ferdinand II., der ab 1595 die Regentschaft in Innerösterreich übernahm.

Zwischen dem Schwanz des Hundes und dem Kirchturm befinden sich ein Name und zwei Daten. Diese stammen eindeutig von Besuchern, die sich aus Jux und Tollerei auf dem Felsen verewigt haben. Zu lesen sind SWENIA, darüber 18. 6. 78 sowie noch einmal darüber 18. 7. 80. Diese Einritzungen wurden schwach ausgeführt und sind teilweise schon etwas verblasst. Es gibt mehrere kleine Zeichen auf der Felswand. Ein Kreuz, das aus einem Kreis hervorgeht, ist zweimal bei der zweiten Vorderpfote des Hundes erkennbar, einmal davor und einmal dahinter. Der Kreis beim ersten Zeichen ist ausgefüllt, während er beim zweiten Zeichen (hinter der Pfote) in Umrissen dargestellt ist. Unter dem Monogramm HR sind mehrere Zeichen angelegt worden.
O. Moro erkannte an dieser Stelle ein Hakenkreuz, ein Sonnenrad und ein Kreuzesschild. Kirchmayr fand ein Hakenkreuz, einen Drudenfuß, ein Sonnenrad und eine Art Kreuzesschild. Der Zacken ist hier nach unten gerichtet. Ein weiteres Pentagramm lässt sich bei dem Schriftzug ALSO GETS IN DER WELT ausmachen. Es befindet sich beim Buchstaben L. Es ist leicht und schwach in den Felsen eingeritzt. Stil und Ritztechnik weisen darauf hin, dass es sich noch nicht lange dort befinden dürfte.
Darüber hinaus lassen sich noch zwei weitere Hakenkreuze feststellen. Eines befindet sich bei GETS über dem E. Es ist nicht mehr zur Gänze erhalten. Der untere Haken fehlt. Das andere liegt unter dem Kirchturm, neben der Hinterpfote des Hundes. Es ist nur sehr schwach zu sehen. Alle erkennbaren Hakenkreuze auf dem Felsen sind nicht in der nationalsozialistischen Weise gedreht, wie es auf der Flagge des Dritten Reiches zu sehen ist. Sie sind wie eine linksgerichtete altindische Swastika angelegt.

Die Hundskirche steht seit 2011 unter Denkmalschutz.

Legende, Geschichte, Sage

Die Zeichnungen und Inschriften, die am Hundsfelsen in den Stein geritzt sind, deuten vermutlich auf eine Nutzung als Versammlungsort in der Zeit des Geheimprotestantismus hin. Auf der rechten Seite des Felsen befinden sich auch noch ältere Zeichen und Inschriften, Sonnenräder u. Ä., dabei dürfte es sich um Wegmarkierungen der Awaren aus der Völkerwanderungszeit handeln, so die Annahme.

Zur Bedeutung der Inschriften:
Erkennbar ist eine gekrönte Schlange, möglicherweise als Anspielung auf Ferdinand, den innerösterreichischen Landesherrn und späteren deutschen Kaiser. Daneben ein Hund, der als Anspielung auf Petrus Canisius gedeutet wird. Eine weitere Figur wird als Schnecke gedeutet, die einen Kirchturm trägt, möglicherweise als Metapher für die behäbige, aber aufrechte protestantische Kirche. Weiters ist die Jahreszahl 1599 erkennbar und schließlich in verkehrter Schrift die Worte: Also gets in der Welt.

Deutung nach Dr. Görlich:
Kaiser Ferdinand, die falsche Schlange hat den Gegenreformator Peter Hund (=Petrus Canisius) ins Land gerufen um die Protestanten zu bekämpfen und zu vertreiben. Unsere (protestantische) Kirche geht zwar, langsam wie eine Schnecke, jedoch aufrecht in die Zukunft, während die Kirche des Hund (kathol.,) bedenklich wackelt. Zufolge der religiösen Streitigkeiten geht es, wie bei den Buchstaben der Inschrift in der Welt "drunter und drüber". Allen Wanderern, die hier vorbeikommen und im Gebet innehalten, sei der "Grues" entboten.

Zur Bedeutung des Flurnamen Hundskirche:
Das Bestimmungswort Hund zeigt zumeist eine Abwertung des betreffenden Grundwortes an. Somit könnte der Flurname Hundskirche Folgendes bezeichnen:
a) keine richtige Kirche
b) ein in seiner Formgebung kirchenhaftes Gebilde aus Gestein
c) eine vor- oder frühchristliche Kultstätte (Die Erinnerung daran könnte zu einer erneuten Benutzung während der Gegenreformation geführt haben).

Die mündliche Volksüberlieferung weist die Hundskirche als heimlichen Gottesdienstort zur Zeit des Geheimprotestantismus aus. Die Hundskirche muss aber schon davor eine wichtige Rolle im Protestantismus dieser Gegend gespielt haben. Auf ihr befindet sich nämlich die Inschrift CRUES. Sie wurde in großen Buchstaben am Felsen angebracht und verweist auf Conrad Rues. Somit wurde die Hundskirche vermutlich von C. Rues genützt. Am wahrscheinlichsten ist es, dass sie ihm als Predigtstelle diente. In ihrer unmittelbaren Nähe befanden sich nämlich zahlreiche Unterkünfte der im Bergbau beschäftigten Knappen. Kreuzen war damals das Bergbauzentrum der Herrschaft Paternion. Ebenfalls in der Nähe liegt die kleine Streusiedlung Boden mit dem vulgo Rues-Anwesen. Die Gegend um die Hundskirche scheint somit das „evangelische Hinterland“ der Herrschaft Paternion gewesen zu sein.

Siehe: Simone Madeleine Lassnig, Denkmäler der Reformationszeit und des Geheimprotestantismus im Raum Paternion, Diplomarbeit 2010
Denkmäler der Reformationszeit und des Geheimprotestantismus im Raum Paternion

Gemeinde

Paternion

Denkmalschutznummer

67835

Standort

Die Hundskirche befindet sich im Kreuzenbachtal zwischen Kreuzen und Boden, noch im Engteil des Tales an der Südseite des Baches.

Eigentümer / Betreuer

Fam. Foscari-Widmann-Rezzonico