Eine Gedenktafel an der westseitigen Fassade der Volksschule von Arnoldstein erinnert an die Ereignisse des Kärntner Abwehrkampfes in der Gemeinde. An der Hauswand sind bis heute Einschusslöcher aus der Zeit des Abwehrkampfes zu sehen.
Zur Geschichte des Kärntner Abwehrkampfes in der Gemeinde Arnoldstein:
Ohne vorhergegangene Meldung war am 9. Dezember 1918 das Gendarmeriekommando Arnoldstein von neun jugoslawischen Polizisten besetzt worden. Die deutsch-österreichische Gendarmerie musste sich nach Villach zurückziehen. Gegen die Hissung der slowenischen Fahne hielten die Arnoldsteiner am 8. Dezember eine Demonstrationsversammlung ab.
Nachdem Arnoldstein von jugoslawischen Gendarmen besetzt worden war, wollten diese einen weiteren Posten in Achomitz stationieren. Dies misslang jedoch durch die energische Gegenwehr der heimischen Bauern. Da Arnoldstein der letzte Posten der Jugoslawen war und hier die Bahnlinie ins Gailtal abzweigt, war also die Lage der Gailtaler unhaltbar geworden. Nun traten die Nötscher an den Landesbefehlshaber heran und baten um Offiziere und um Hilfe für eine militärische Organisation. Oberstleutnant Hülgerth sandte daraufhin Walter Mahr und Otto Schmolz nach Nötsch. Hier wollte man den Mittelpunkt der militärischen Organisation errichten. Trotz der Besetzung hielt sich die Gemeinde Arnoldstein wacker.
Als die südslawischen Soldaten die Übergabe der Ämter forderten, fasste der erweiterte Gemeindeausschuss am 8. Dezember folgenden Beschluss:
1.) Es ist bei jeder Gelegenheit mit größtem Nachdruck zu betonen, dass wir Deutschösterreicher sind und gegen die Angliederung an das slawische Reich protestieren.
2.) Ein zwölfgliedriger Ausschuss mit dem Bürgermeister an der Spitze soll in nächster Zeit, unter Hervorhebung des Umstandes, dass in Klagenfurt über unsere Köpfe hinweg das Übereinkommen bezüglich der Demarkationslinie getroffen wurde, mit den Vertretern der Südslawen in Verhandlung treten und dabei verlangen, dass keine slawische Fahne mehr ausgesteckt werde, dass alle Ämter bleiben wie bisher und gegebenenfalls die deutsch-österreichische Gendarmerie wieder zurückkehre. Der von den Südslawen bestellte Pfarrer darf als solcher nicht ernannt werden.
Der Erfolg war, dass die Gemeindevertretung bis zur Befreiung im Jahre 1919 im Amt blieb. Doch gelang es den Arnoldsteinern trotz dieser mannhaften Haltung nicht, die südslawische Gendarmerie zu vertreiben.
Überall herrschte der Wille zur Befreiung, und da vom Rückzug bei Kriegsende noch große Mengen an Waffen im Ort lagerten, war es ein Leichtes, die Bevölkerung zu bewaffnen. Vorerst mussten die Kundschafter das Arnoldsteiner Gelände abstreifen, um alle Einzelheiten der Lage zu erkunden. Der Plan war folgender: Von allen vier Seiten sollten die Jugoslawen angegriffen werden. Eine Abteilung sollte die Gaillinie absperren und dann vordringen. Die Thörler sollten die Straße entlang vorrücken, und die Seltschacher die südliche Flanke übernehmen. Für die anderen Seiten waren die Volkswehr und die freiwilligen Formationen in Aussicht genommen. Der Arnoldsteiner Posten sollte überrumpelt werden!
Als Beginn war die Nacht vom 31. Dezember zum 1. Jänner 1919 festgesetzt. Da erhielt man die Absage der Volkswehr, und alles musste auf die Nacht vom 5. zum 6. Jänner verschoben werden.
Mittlerweile hatte Major Gressel den Oberbefehl über die Truppen übernommen. Major Gressel schildert in der „Kärntner Heimat“ vom 3. Oktober 1940 selbst den Kampf um Arnoldstein:
„Bereits im Dezember 1918 fasste ich den Plan, die Südslawen aus dem Raum von Arnoldstein und Fürnitz auf eigene Faust zu vertreiben. Ich teilte dies meinen braven Bauern im oberen Gailtal in verschiedenen Versammlungen mit, und wir beschlossen, uns auf ein bestimmtes Zeichen zu sammeln und loszuschlagen. Ende Dezember erhielt ich den Befehl, in Hermagor ein Volkswehrbataillon aufzustellen. Ich bekam zu diesem Zweck mehrere Offiziere zugewiesen. Am 3. Jänner empfing ich die Nachricht, dass die Südslawen deutsches Eigentum aus Arnoldstein wegführten. Jetzt galt es, rasch zu handeln. Ich beschloss daher, Arnoldstein und Fürnitz am 5. Jänner morgens zu befreien. Um die Möglichkeit eines Verrats zu vermindern, alarmierte ich erst am 4. Jänner mittags die Gailtaler und schickte einen Extrazug nach Mauthen. Zugleich wurde die Grenzlinie gegen Arnoldstein durch Patrouillen hermetisch abgesperrt. Der Extrazug fuhr um 5 Uhr nachmittags nach Mauthen ab, nahm von Ortschaft zu Ortschaft die herbeigeströmten Bauern auf, und um 11 Uhr nachts waren wir in Nötsch angriffsbereit.
Hier wurde die Mannschaft (Hermagorer und Nötscher Volkswehr, Freiwillige aus Mauthen, Reisach, Kirchbach, Tresdorf, Weidegg, Rattendorf, Hermagor, Fellach, Förolach, St. Stefan, Vorderberg, Hohenthurn, Feistritz und Nötsch) in drei Gruppen geteilt. Jede erhielt ihren besonderen Auftrag. Eine vierte Gruppe hatte sich in Hohenthurn gesammelt. Noch in letzter Stunde, am Abend des 4. Jänner, wurden die bisher erzielten Aufklärungsergebnisse durch ein plötzlich auftauchendes Gerücht verwirrt. Die südslawische Besatzung von Arnoldstein sollte soeben durch zwei Kompanien verstärkt worden sein. Eine sofortige Überprüfung dieser Nachricht war dringend notwendig, denn eine derartige Truppenverschiebung konnte gefährliche Überraschungen zur Folge haben. Der Bahnmeister Hans Treml aus Nötsch erbot sich freiwillig, den Versuch zur Klärung dieses Gerüchtes zu wagen. Auf einer Draisine fuhr er in stockfinsterer Nacht nach Arnoldstein und kam um 1 Uhr morgens mit der Meldung zurück, dass die Arnoldsteiner Besatzung keine Verstärkung erhalten habe. Jetzt konnte der Angriff losbrechen. Die Truppen bekamen das Signal zum Vorgehen. Alles klappte: Punkt 6.15 Uhr früh wurde die feindliche Bahnwache von der Gruppe des Leutnants Kaspar überrumpelt, und die überwältigte südslawische Wache gefangengenommen.“
Ein zweiter Trupp unter Phillip Millonig aus Hohenthurn besetzte ebenso rasch das Pfarrhaus und die Post, hob die südslawischen Offiziere aus und nahm das Gendarmeriekommando. Eine dritte Gruppe unter Leutnant Millonig aus Vorderberg griff die Schule an. Ein Posten wurde niedergeschossen. Dieser erste Schuss hatte die südslawische Besatzung des Schulhauses alarmiert. Obwohl Leutnant Millonig mit seinen Leuten blitzschnell eindrang, gelang es den Südslawen doch, im ersten Stock der Treppe Maschinengewehre aufzustellen, deren Feuer die vorwärtsstürmenden Angreifer zurückwarf. Zur gleichen Zeit setzte auch Maschinengewehrfeuer aus den Fenstern der Schule ein, das durch unsere Maschinengewehre vom Gendarmeriekommando aus bekämpft wurde.
Um Blutvergießen zu vermeiden, befahl ich der das Schulhaus einschließenden Mannschaft, dasselbe gedeckt zu überwachen. Inzwischen taten die anderen Abteilungen ihre Schuldigkeit. Fortwährend wurden Gefangene (Offiziere, Mannschaften, Gendarmen) zum Bahnhof, dem anbefohlenen Sammelplatz, gebracht. Nach eingetretenem Schusslicht befahl ich der in Reserve gehaltenen Maschinengewehrabteilung von einem von mir ermittelten Platz aus, das Schulhaus und die daraus wirkenden Maschinengewehre niederzukämpfen. Nur kurz wirkten meine Maschinisten, bald erschien eine weiße Fahne, begrüßt von den freudigen Rufen der Angreifer.
Außer den bereits genannten Teilnehmern an der Aktion wären noch besonders zu erwähnen: Oberstleutnant Gstettner, der sich als Kurier des Militärkommandos freiwillig zur Teilnahme an dem Angriff meldete und die südslawischen Offiziere im Hotel Bahnhof aushob, Stationsvorstand Dokter von Hermagor, der freiwillig einen Kampfzug mit einer Angriffsgruppe von Nötsch aus führte, und die Leutnante Michor aus Nötsch und Aldrian der Gailtaler Volkswehr, welche sich in den Kämpfen um das Schulhaus hervortaten.
Vier Offiziere, 74 Mann gefangen, eine volle Handkasse mit 20.000 Kronen Bargeld und Kriegsmaterial erbeutet – Arnoldstein befreit!
Neue Befehle wurden gegeben, und weiter ging es gegen Fürnitz. Da alle Telefonleitungen durchschnitten waren, gelang hier die Überraschung völlig. Nachdem auch hier Gefangene eingebracht und alles Fremdländische entfernt worden war, wurde die Ortschaft Fürnitz der eben eingetroffenen Villacher Volkswehr übergeben.
Wir Bauern hatten unsere Aufgabe erfüllt und durften wieder heimkehren. In Arnoldstein übergab ich das Kommando dem Hauptmann Mahr, sammelte meine Bauern am Bahnhof, und wir fuhren mit dem Extrazug wieder heim. Unseren tapferen Gendarmerie-Bezirkswachtmeister Hubmann, der beim Sturm auf das Schulhaus gestorben war, nahmen wir mit.
In allen Stationen wurden wir begeistert empfangen. Überall war Freude und Jubel.
Quelle: Gemeindechronik der Marktgemeinde Arnoldstein/Aufzeichnungen von Fr. Martha Polzer
Durch Einigkeit zur Freiheit
6.1.1919 - 10.10.1920
Bauern, Arbeiter, Handwerker, Studenten schufen am 6.1.1919 unter Führung von Hptm. Mahr und U. Gressel die Voraussetzung zur Volksabstimmung für ein ungeteiltes Kärnten und ein freies Österreich.
In steter Dankbarkeit Abwehrkämpfer, Marktgemeinde, Bleiberger Bergwerksunion.
Arnoldstein
Die Gedenktafel ist an der Westfassade der Volksschule angebracht.
Kärntner Straße 28
9601 Arnoldstein
Marktgemeinde Arnoldstein
| Kategorie | Mahnmale |
| Gemeinde | Arnoldstein |
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