Kreuzergegend West vlg. Kreuzerhof: Ziegelgitterfenster am Stallgebäude.
Der KREUZERHOF
dessen Ursprünge mit Anfang des 15.Jahrhunderts datiert sind;
- westlich von Völkermarkt, direkt an der Bundesstraße im Bereich des Tainacherfeldes gelegen (Kreuzergegend) ;
- ehemals ein stattliches Anwesen, das neben dem landwirtschaftlichen Ertrag jahrhundertelang bemerkenswerte Leistungen im Fuhrwerks- und Vorspannverkehr (bis zu 40 Bedienstete und eigene Schmiede) erbrachte;
- 1822 wurde in unmittelbarer Nähe des Hofes ein römischer Meilenstein des Kaisers Septimius Severus aus dem Jahre 201 n. Chr. ausgegraben;
dessen Eigentümer und Besitzer schon am Beginn des 19. Jahrhunderts durch Gründung einer Schul- und Familienstiftung für in Not geratene Bauern und für die Versorgung bedürftiger landwirtschaftlicher Dienstboten vorbildliche Sozialleistungen erbrachten;
- ebenso waren Sie an führender Stelle mit ihren Reformvorschlägen für ganz Unterkärnten und Bauernabordnungen bei Kaiser Ferdinand in Innsbruck (Mai 1848);
es soll auch erwähnt werden, dass
- der Bischof von Gurk auf dem Weg zur Firmung nach Völkermarkt im Kreuzerhof übernachtete;
- Markus Pernhart als 16-jähriger vom Dechant dort entdeckt, wegen seines Fleißes bewundert und in seiner Ausbildung gefördert wurde;
- Kaiser Franz Josef bei Durchreisen immer Halt am Kreuzerhof machte und dem Gut die Maria Theresia Konzession ( Gewerbeschein für alle Berufe ) verlieh;
der Kreuzerhof war 1919 ein Eckpfeiler und Mittelpunkt heftiger Kampfhandlungen zwischen Kärntnern und jugoslawischen Eindringlingen ( zahlreiche Einschussstellen in den alten Gemäuern );
spielt, wie man sieht, im Unterkärntner Raum eine wesentliche geschichtliche Rolle und hat große kulturhistorische Bedeutung.
Leider sind das Haupthaus und alle Nebengebäude – ausgenommen der Stadel – der Spitzhacke zum Opfer gefallen und seit der Eröffnung der Autobahn der Betrieb einer Raststation für LKW bzw. einer Imbissstube für Autoreisende nicht mehr möglich.
Von besonders großem kulturellen Wert ist der Kreuzerhofstadel wegen seiner wunderschönen, kunstvollen Ziegelgitterfenster, vor allem an den Stirnseiten (beiliegende Fotos ).
Die Ziegelgitterfenster sind Kleindenkmäler echter Volkskunst, Elemente der ländlichen Architektur von besonderer Ausdruckskraft, Originalität und besonderem Aussagewert; ein Kulturgut, das die Landschaft prägt. Der Verlust jedes einzelnen Elementes stellt eine Verarmung der Dorf- und Landschaftsbilder, somit wesentlicher Teile unseres kulturellen Erbes dar. Umso mehr müssen so wertvolle Kleinode unserer Kultur – wie der Kreuzerhofstadel – aus geschichtlicher und kunsthistorischer Sicht für künftige Generationen, wenn möglich in ihrer vollen historischen Bausubstanz revitalisiert, als kärntnerisches und europäisches Kulturerbe erhalten werden.
Diese Tatsache wurde in mir nicht nur während meiner langjährigen Forschungen in ganz Kärnten, die ich für das im September 2002 publizierte „Kärntner Stadelfenster“- Buch immer wieder wachgerüttelt, sondern bei meinen vielen Gesprächen, Verhandlungen und Veranstaltungen durch Besitzer, Eigentümer, für Kunst und Kultur zuständige Gemeindeorgane, Behördenvertreter, an Kunst und Kultur interessierte Menschen quer durch alle Berufe, Altersstufen und verschiedenste Institutionen sowie auch seitens vieler Politiker, Vertreter des Denkmalschutzes und verschiedenster örtlicher Organisationen bestätigt.
Trotz Einbindung sach- und fachkundiger Institutionen und Amtsorgane sowie vieler Überlegungen über Revitalisierungs- und Erhaltungsvariationen konnte bis dato eine zielführende Rettungsaktion noch nicht gefunden werden.
Im Wissen um den kulturellen Wert des Kreuzerhofstadels und um den Verfall bzw. drohenden Abbruch entgegenzuwirken, hat die Besitzerin, Frau Irmgard Weiß, notdürftigst das Dach ausbessern lassen. Sie ist schon lange Witwe und bewirtschaftet alleine einen Hof in Glanegg; eine Revitalisierung und langfristige Erhaltung des Kreuzerhofstadels übersteigt bei weitem deren finanzielle Möglichkeiten.
Durch die intensive Beschäftigung mit den Ziegelgitterfenstern der Kärntner Stadel – die bei alten bäuerlichen Anwesen, Gutshöfen und Schlössern die ausgewogene Beziehung der funktionellen Notwendigkeiten mit dem Kunstverständnis und Schmuckbedürfnis des bodenständigen bäuerlichen Alltagslebens sowie der geistlichen und weltlichen Gutsherren und Schlossbesitzer dokumentiert – und das begeisterte Echo zum „Kärntner-Stadelfenster“-Buch habe ich festgestellt, dass sowohl bei den Städtern als auch bei der Landbevölkerung ein Umdenken und der Wunsch zur / nach Erhaltung dieser Kunstwerke als Kulturerbe stark ausgeprägt ist.
Viele Eigentümer, Interessensgemeinschaften, Gemeinden und Kommunaleinrichtungen bemühen sich nach Kräften, diese kulturellen Kleinode zu revitalisieren und in ihrer ursprünglichen Form – wenn auch oft für andere Zwecke - zu erhalten.
Unter diesen Gesichtspunkten wäre der Verfall des Kreuzerhofstadels ein nicht wieder gutzumachender Verlust eines ganz besonderen Kärntner Kulturterbes.
(Ingeborg Müllner)
Poggersdorf
Kreuzergegend
Kreuzergegend
9131 Poggersdorf
Anfang 15. Jh.
Weiss
| Kategorie | Fassadenornamentik |
| Gemeinde | Poggersdorf |
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