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Jungfrauenbrunnen

Foto: Archivfoto

Jungfrauenbrunnen 1

Steinerne Jungfrau - Bild 1

Foto: Archivfoto

Jungfrauenbrunnen in den 50-er und 60-er Jahren

Steinerne Jungfrau - Bild 2

Foto: Monika Gschwandner-Elkins 2001

Jungfrauenbrunnen bis 2002

Steinerne Jungfrau - Bild 3

Foto: Monika Gschwandner-Elkins 2001

Jungfrauenbrunnen bis 2002, Plastik von Konrad Campidell

Steinerne Jungfrau - Bild 4

Foto: Monika Gschwandner-Elkins 2005

Jungfrauenbrunnen neu 1, Plastik von Konrad Campidell

Steinerne Jungfrau - Bild 5

Foto: Monika Gschwandner-Elkins 2005

Jungfrauenbrunnen neu 2, Plastik von Konrad Campidell

Steinerne Jungfrau - Bild 6

Foto: Monika Gschwandner-Elkins 2005

Jungfrauenbrunnen neu 3, Plastik von Konrad Campidell

Steinerne Jungfrau - Bild 7
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Beschreibung

Der Jungfrauenbrunnen am Marktplatz ist das weithin bekannte Wahrzeichen von Weitensfeld. Der Brunnen mit der Steinernen Jungfrau wurde im Verlauf der Zeit immer wieder erneuert und hat sein Aussehen jedesmal grundlegend geändert. Die Plastik der Steinernen Jungfrau, wie sie sich heute dem Betrachter präsentiert, wurde 1977 vom Feistritzer Bildhauer Konrad Campidell angefertigt und ersetzte die ältere Holzfigur. Zuletzt 2002 neu gestaltet, steht die Jungfrau heute auf einer hohen runden Marmorsäule, die zugleich als Brunnenschaft dient.
Die Jungfrau blickt nach Norden.

Legende, Geschichte, Sage

Das Kranzelreiten in Weitensfeld im Gurktal zählt zu den bekanntesten Kärntner Bräuchen und wird jährlich zu Pfingsten abgehalten. Die Steinerne Jungfrau am Marktplatz spielt dabei eine zentrale Rolle.

Um 1567 soll der Sage nach im Markt Weitensfeld die Pest gewütet haben. Nur drei Bürgersöhne des Marktes Weitensfeld und das Burgfräulein auf Schloß "Thurnhof" in Zweinitz sollen von der Seuche verschont geblieben sein. Dieses Burgfräulein forderte die drei Bürgersöhne, die um ihre Hand anhielten, zu einem Wettlauf auf. Dem Sieger reichte sie dann die Hand zum Lebensbund.

Das Kranzelreiten in Weitensfeld soll als Erinnerungsbrauch an diese Begebenheit entstanden sein. Es muss jährlich stattfinden, darf nie vernachlässigt werden, noch ausbleiben. Selbst in den schwersten Kriegsjahren, wo es großen Mangel an Ross und Reiter gab, wurde das Fest traditionsgemäß, wenn auch nur in bescheidenem Ausmaß, abgehalten. Der Sage nach würde, sollte es einmal ausbleiben, großes Unheil über den Markt hereinbrechen. In so einem Fall kämen in der Nacht die Pesttoten geritten und könnten frühmorgens die Weitensfelder auf die von ihren Huftritten aufgewühlte Marktstraße blicken.

Dass das Kranzelreiten viele hundert Jahre alt ist, gilt als sicher, denn es handelt sich hier vermutlich um einen altgermanischer Brauch. Der älteste Bericht über das Kranzelreiten stammt aus der Carinthia ("Klagenfurter Zeitung") vom Jahre 1814, als Weitensfeld gänzlich abbrannte. In weiteren Berichten von 1867 und 1891 wird die Jahreszahl 1567 als Beginnzeit dieses Brauches erwähnt. Genaueres ist nicht zu erfahren, da angeblich alle historischen Dokumente bei den zahlreichen Bränden im Ort vernichtet wurden.
Das Fest spielt sich in zwei Teilen ab, und zwar am Pfingstsonntag und am Pfingstmontag. Zu dem ursprünglichen Brauch, dem Wettlauf um die Braut, kamen im Laufe der letzten hundert Jahre Ergänzungen hinzu, wodurch der Brauch noch attraktiver wurde. Das Fest beginnt am Pfingstsonntag mit dem Ausritt der Kranzelreiter nach Zusammenkunft im "Herzelehof". Es geht im gemütlichen Trab, abwechselnd Jahr für Jahr, in die zwei benachbarten Orte Zweinitz und Altenmarkt, um ihre Bewohner zum "morgigen" Fest einzuladen. Ungefähr um 15 Uhr erwarten die Weitensfelder am Markteingang die Kranzelreiter mit der Marktfahne. Jetzt beginnt das Reiten von Haus zu Haus. Bei jedem Haus bringt der Anführer der Kranzelreiter ein "Hoch" auf die Bewohner aus, und die Musik spielt einen "Tusch". Die Frau des Hauses oder deren Tochter bewirtet die Reiter mit Wein, Schnaps, Kaffee, Backwerk oder Rauchzeug. Währenddessen singen einzelne Reiter vom Pferde aus "Gstanzln", dies sind lustige Vierzeiler. In humorvoller Weise werden alle bekannten, launigen Ereignisse des vergangenen Jahres, die sich im Hause ereigneten, besungen.

Am Pfingstmontag, an dem gleichzeitig ein großer Jahrmarkt stattfindet, wird dann der eigentliche Wettritt und der Wettlauf durchgeführt. Auf dem Marktplatz thront die Marktjungfrau auf dem Marktbrunnen. Sie wird mit einem weißem Kleid und roter Schärpe festlich geschmückt, auf dem Haupte hat sie den Brautkranz, in der linken Hand einen Schlüsselbund, in der rechten eine Pfingstrose. So erwartet sie auf den Sieger.

Vom Oberen Marktplatz reiten die Reiter auf ihren geschmückten Pferden dreimal die Strecke bis zur Jungfrau im Galopp, was als Flucht vor der Pest oder das Austreiben der Pest gedeutet wird. Nach dem dritten Ritt wieder am Oberen Marktplatz angelangt, sammeln sich die Reiter und reiten unter Vorantritt der Musikkapelle zum alten Gemeindehaus. Dort wird angehalten, und die drei bereits wartenden Läufer nehmen zwischen der Musikkapelle und den Reitern Aufstellung, gleichzeitig wird die Bestestange, auf der sich die "Beste" für die Läufer befinden, einem Reiter übergeben. Die Läufer sind ebenfalls weiß gekleidet und mit einer roten Schärpe von links nach rechts über die Brust und Schulter geschmückt. Von hier setzt sich der Zug zum Unteren Marktplatz in Bewegung. Bei der Jungfrau angelangt, wird ein Kreis gebildet, in dessen Mitte sich die drei Läufer aufstellen und auf das den Start des Wettrennen warten.
Auf das Kommando "Eins" sprengen drei der besten Reiter, um die Laufbahn freizumachen, voraus zum Oberen Marktplatz. Auf das Kommando "Zwei" starten die Läufer und auf "Drei" reitet die übrige Reiterschar im Galopp hinterher. Die aufgestellten Zielrichter ermitteln den Sieger des Wettreitens und des Wettlaufes. Nun besteigt der Wettlaufsieger das Siegerpferd und reitet, flankiert von den beiden anderen Läufern, mit der Musikkapelle langsam im Reiterzuge zur Jungfrau am Marktbrunnen. Hier erfolgt die Verteilung der "Beste" an die Läufer. Der Sieger erhält ein Kranzel und ein Seidentücherl, der Zweite ein Myrtensträußerl und ein Wolltücherl und der Letzte ein Büschen Schweineborsten und ein Kattuntücherl. Alle drei Läufer erhalten auch ein Paar Strümpfe. Anschließend steigt der Sieger mit Hilfe einer bereitgestellten Leiter zur steinernen Jungfrau empor, umarmt und küßt sie. Die Läufer schenken die Tücherl, Kranzel und Sträußl, die sie als "Beste" bekommen haben, den von ihnen auserwählten Mädchen. Hernach tanzen die Läufer mit den Mädchen vor dem Gedenkbrunnen den Walzer "Jungfrauenkuß", welcher eigens dafür komponiert wurde (Gurktaler Walzer). Schließlich löst sich der Reiterzug auf, und die Pferde tragen die Reiter zu ihren Höfen zurück. Alle 50 Jahre, seit Ende des Zweiten Weltkriegs alle 25 Jahre, gibt es ein besonderes Fest: Anstelle der steinernen Jungfrau wird ein Mädchen aus dem Ort ausgewählt, um das die Wettläufer kämpfen.
Der Brauch des Kranzelreitens erinnert an die mit der Pfingstfeier verbundenen Wettspiele der alten Germanen. Letztere waren heitere Frühlingsfeste, welche den Kampf des Sonnengottes mit dem Winter versinnbildlichten und wobei gewöhnlich ein Wettrennen stattfand. Der Sieger fungierte als Maikönig, während der Letzte einen Spottpreis bekam.

"In dem noch bestehenden Brauch zu Weitensfeld ist ein Stück altgermanischen Volkslebens bis auf unsere Tage erhalten geblieben", meint Francisci, einer der bedeutendsten Brauchtumsforscher des vorigen Jahrhunderts in Kärnten (Bericht von 1867). In einem Bericht von 1914 in der Carinthia I heißt es: "... Durch Wettlauf und Wettrennen wurde einst entschieden, wer die Maibraut heimführen und dadurch die Erde zur neuen Fruchtbarkeit bringen sollte. Zu einer solchen heiligen Handlung war man bestrebt, nur die besten jungen Leute auszusuchen, zumal ja das Maipaar ein göttliches Brautpaar darstellen sollte, das Segen bringend auf Erden wandelt. Auf den rituellen Ursprung dieses Brauches deutet ja auch die rituelle Kleidung der drei Läufer und der Maibraut (Statue). Zweck der Vermählung des Maikönigs mit der Maikönigin war es, Menschen, Vieh und Pflanzen die nötige Fruchtbarkeit für das kommende Jahr zu sichern."

Motive / Inschriften

Am Brunnenschaft befinden sich, in Metallringe eingraviert, folgende Inschriften:

Zuoberst: Jungfrau von Thurnhof

Darunter: Zur Erinnerung an die Pest, welche im 16. Jh. hier gewütet hat.

Danach werden die Ehrenjungfrauen von Weitensfeld namentlich und mit Jahreszahl versehen aufgelistet:
1867: Carla Brunner
1922: Hermine Knaflitsch
1947: Karoline Dörfler
1972: Heidemarie Maier
1997: Eva Bianca Treppo

Am Brunnensockel findet sich schließlich noch der Eintrag:

25 Jahre Trachtengruppe 2006

Gemeinde

Weitensfeld im Gurktal

Standort

Der Jungfrauenbrunnen steht am Marktplatz im Ortszentrum von Weitensfeld
Marktplatz
9344 Weitensfeld

KünstlerIn

Konrad Campidell

Eigentümer / Betreuer

Marktgemeinde Weitensfeld

Dazu im Lexikon